Das Schweizer Steuersystem

Es gibt drei Regierungsebenen in der Schweiz. Analog dazu werden die drei Steuerhoheiten unterschieden:

  • Bund
  • Kanton
  • Gemeinde

Die Besonderheit des schweizerischen Steuersystems ist, dass sowohl der Bund als auch die 26 Kantone und sogar die rund 3000 Gemeinden zum Teil gleiche und zum Teil verschiedene Steuern erheben.

Bei den vom Bund erhobenen Steuern und Abgaben handelt es sich vor allem um folgende:

  • Direkte Bundessteuer (Einkommens- und Gewinnsteuer)
  • Mehrwertsteuer (Verbrauchssteuer)
  • Verrechnungssteuer (Quellensteuer)
  • Emissionsabgabe (Stempelabgabe)

Bei den Kantonen und Gemeinden machen die Einkommens- und Vermögenssteuer von natürlichen Personen sowie die Gewinn- und Kapitalsteuer von juristischen Personen der grösste Teil ihrer Gesamteinnahmen aus. Im Gegensatz zum Bund erheben die Kantone und Gemeinden nebst einer Einkommens- und Gewinnsteuer auch eine Vermögens- und Kapitalsteuer z.B. auf das einbezahlte Grundkapital und die Reserven von juristischen Personen.

Während die Direkte Bundessteuer in der ganzen Schweiz gleich hoch ist, unterscheiden sich die Einkommens- und Gewinnsteuern der Kantone- und der Gemeinden zum Teil beträchtlich. Es ist daher nicht nur allein der Kanton entscheidend, sondern auch die Gemeinde, die Sie als Wohnsitz oder Unternehmensstandort wählen. Besondere Gesellschaftsformen oder Projekte von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung können von speziellen Regelungen des Steuergesetzes profitieren.

Einkommens- und Vermögenssteuer

Die Einkommens- und Vermögenssteuer wird bei natürlichen Personen erhoben, die in der Schweiz ihren Wohnsitz oder Aufenthalt haben.
Gegenstand der Einkommenssteuer sind:

  • Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
  • Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
  • Einkünfte aus Vorsorge
  • Erträge aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen
  • Übrige Einkünfte (z.B. Lotterie- und Totogewinne).

Vom Gesamteinkommen können Gewinnungskosten und pauschale Sozialabzüge abgezogen werden. Zu erwähnen ist, dass im Schweizer Steuerrecht Kapitalgewinne des beweglichen Privatvermögens, also Gewinne aus dem Verkauf des Vermögens, steuerfrei sind. Beispiel: Der Verkauf von Aktien im Privatvermögen mit Gewinn.

Eine weitere Besonderheit im Schweizer Steuerrecht ist die Teilbesteuerung. Bei der Teilbesteuerung wird zur Milderung der wirtschaftlichen Doppelbelastung an Beteiligte (z.B. Aktionäre) unter bestimmten Voraussetzungen die Einkommenssteuer auf Dividenden je nach Kanton von 40% bis zu 75% reduziert.

Die Vermögenssteuer wird von Kantonen und Gemeinden, nicht jedoch vom Bund erhoben. Gegenstand der Vermögenssteuer ist das Reinvermögen, dass sich aus der Summe des beweglichen und unbeweglichen Vermögens abzüglich der nachgewiesenen Schulden ergibt. Neben den Schulden können üblicherweise auch Freibeträge abgezogen werden. In der Regel beträgt die Vermögenssteuer zwischen 0.25 und 5 Promille.
Die Arbeitnehmer, welche nicht mindestens über eine Aufenthaltsgenehmigung C verfügen und ein jährliches Einkommen unter CHF 120’000 erzielen, wird die Einkommenssteuer mittels Quellensteuerverfahren entrichtet. Die Arbeitgeber haben auf Löhnen von den Mitarbeitern, die Steuern des Lohnempfängers direkt abzuliefern. Die Höhe der Steuer bemisst sich nach der Höhe des Lohnes. Der Steuertarif ist mit wenigen Ausnahmen progressiv.

Gewinn- und Kapitalsteuer

Der Gewinn- und Kapitalsteuer unterliegen juristische Personen, die Ihren Sitz oder ihre tatsächliche Verwaltung in der Schweiz haben. Der Bund erhebt eine einheitliche Gewinnsteuer. Der Kanton und die Gemeinde erheben eine Gewinnsteuer, die je nach Steuerstatus und Standort der Gesellschaft variiert. Eine operativ tätige Gesellschaft wird mit einem Tarif von ungefähr 11.5% (im besten Fall) bis zirka 24.5% (im schlechtesten Fall) besteuert.
Zu den Gesellschaften mit einem besonderen Steuerstatus zählen vor allem die Holdinggesellschaften, die Domizilgesellschaften, die Beteiligungsgesellschaften, die gemischten Gesellschaften und die Gesellschaften mit Lizenzeinnahmen.

Der Kanton und die Gemeinde erheben eine Kapitalsteuer, nicht jedoch der Bund. Zum Beispiel im Kanton Nidwalden beträgt der Kapitalsteuertarif 0.1 Promille des Eigenkapitals.

Unternehmensversteuerung Beispielrechnung:

Für eine operativ tätige Gesellschaft im Kanton Nidwalden in der Gemeinde Hergiswil ergibt sich für das Jahr 2013 folgende Rechnung:

Steuerbares Kapital 500’000
Reingewinn vor Steuern 1’000’000
Gewinnsteuer Bund 74’230
Gewinnsteuer Kanton & Gemeinde 52’398
Kapitalsteuer Kanton & Gemeinde 37
Total (Bund, Kanton, Gemeinde) 126’665

 

Mehrwertsteuer

Die Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer ist eine eidgenössische Steuer. Bei einem (Inland) Umsatz von über CHF 100’000.– pro Jahr ist in der Regel eine Mehrwertsteuerpflicht gegeben und die Gesellschaft muss sich als Steuerpflichtiger selbst bei der Steuerverwaltung anmelden.

  • Normalfall: 8.0%
  • Beherbergungsgewerbe (inkl. Frühstück): 3,8%
  • Lebensmittel und alkoholfreie Getränke, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Medikamente sowie Sport und Kultur (Güter des täglichen Bedarfs): reduzierter Satz von 2,5%

Bei einem Jahresumsatz von weniger als CHF 5.02 Mio. und Steuern von nicht mehr als CHF 109’000.– pro Jahr, berechnet mit dem für Sie massgebenden Saldosteuersatz kann der Steuerpflichtige aber auch das vereinfachte System der Saldosteuersatzbesteuerung mit einem reduzierten Steuersatz wählen. Bei dieser reduzierten Saldosteuersatzbesteuerung kann aber die Vorsteuer nicht in Abzug gebracht werden.

Eine Mehrwertsteuer muss auch dann entrichtet werden, wenn für mehr als 10’000 Franken im Jahr steuerbare Dienstleistungen im Ausland bezogen werden oder bei der Einfuhr von Gegenständen.

Verrechnungssteuer

Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer auf Erträgen von Zinsen und Dividenden, die vom Unternehmen abgeführt werden muss. Der Steuersatz beträgt 35% und ist mit wenigen Ausnahmen rückforderbar und wird bei der persönlichen Einkommenssteuererklärung verrechnet.

Emissionsabgabe

Auf der Ausgabe von Beteiligungsrechte ist eine Emissionsabgabe geschuldet. Die Abgabe beträgt 1% vom Betrag, welcher der Gesellschaft als Gegenleistung für die Beteiligungsrechte zufliesst. Es gibt jedoch eine Reihe von Tatbeständen, die von der Emissionsabgabe ausgenommen sind wie z.B. die Freigrenze von CHF 1’000’000 bei der Gründung oder Kapitalerhöhung einer Kapitalgesellschaft.

Doppelbesteuerungsabkommen

Damit in der Schweiz steuerpflichtige Ausländer nicht oder nicht vollumfänglich in zwei oder mehreren Ländern besteuert werden, hat die Schweiz mit mehr als hundert Staaten umfassende Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Die Schweiz verzichtet dabei weitgehend auf die Einkommens- und Vermögenssteuern, die dem so genannten Quellenstaat zugewiesen werden.

Weitere Informationen

Das schweizerische Steuersystem.

Eine ausführliche aber äusserst verständliche Ausarbeitung über das schweizerische Steuersystem können Sie hier im PDF-Format nachlesen.

Zum Download…’

Ein Einblick in die Veranlagung der Einkommens- und Vermögenssteuer natürlicher Personen.

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